07.09.17

MONTIRIUS: ES LACHT NIEMAND MEHR


Dick, dunkel, schwer, alkoholisch. Das Image der Weine der südlichen Rhône ist geprägt von Vorurteilen. Nicht ganz zu Unrecht, viele Jahre waren die Weine aus Gigondas, Vacqueyras oder Rasteau genau das. Gegen den Trend zur Fülle haben sich Christine und Eric Saurel schon immer gestemmt. Mit den Weinen ihrer seit 1996 biodynamisch bewirtschafteten Domaine Montirius wurden sie von den Nachbarn gerne ein wenig belächelt. Angesichts der auch hier spürbaren Auswirkungen des Klimawandels lacht mittlerweile niemand mehr. 




Ein aktuelles Beispiel aus der Kollektion. Der Côtes du Rhône ‚Jardin Secret‘ 2015. Gekeltert aus 100% Grenache, gepflanzt vor 70 Jahren. Ein Wein, das glaubt einem am Ende wieder keiner. Nur 13,5% Alkohol, sogar die Farbe ist nicht fett oder dunkel, das hat sogar ein wenig Durchschein. Er duftet nach Grenache, hat die typische Pflaume, deutlich Schokolade. Ist im Mund sehr fokussiert, kommt kaum über die Zungenränder. Der Wein hat wirklich keinen üppigen Körper, das ist eindeutig Südfrankreich, aber schlank, trinkfreudig. Auch nicht unendlich lang, aber voller Freude und Leben. Ein Wein, wie viele Kollegen der Saurels ihn gerne machen würden. 

Eric Saurel

Montirius war das erste Weingut, dass in Vacqueyras und Gigondas bio-dynamische Weine erzeugte. Auf Chemie verzichtet man seit 1987, sowohl im Weinberg wie auch im sehr ungewöhnlichen Keller. Holz ist schon vor 15 Jahren rausgeflogen, Eric baut alle Weine im Beton aus. 18 Tanks für die Gärung, 30 für den zweijährigen Ausbau. Die Tanks sind allesamt speziell gefertigt, das Wasser für den Beton wurde mit Steinen aus den Weinbergen dynamisiert und auch im Beton verarbeitet. Und dieser Verzicht auf jegliches Holz, vor allem auf neue Barriques ist für Eric der Schlüssel zur Eleganz seiner Weine. Dass die Reben nicht gewipfelt werden, die Trauben ausschließlich von Hand geerntet und die Weine ausschließlich spontan vergoren werden, ist da nur konsequent. 200 Tonnen Trauben erntet Eric jedes Jahr, die Zahl ist vergleichsweise stabil, es gibt kaum jahrgangsbedingte selten Ausfälle, seine Reben sind halt kerngesund, so seine einfache Erklärung.

Ungewipfelte Reben | Antenne ins Universum

Im  Weinberg gibt es ein paar Maßnahmen, die sich mit konventioneller Reberziehung nicht vergleichen lassen. Die Biodynamie setzt auf eine komplett andere Art der Reberziehung. Das Grün der Reben wird nicht geschnitten, sondern nur gewickelt. Sie sind in Erics Verständnis die Antennen der Pflanze zum Universum. Die Rebzweige werden bei entsprechenden Wachstum wieder zum Boden zurückgeführt, dann sie schlagen wieder Wurzeln. Die Verbindung zum Mutterstock darf dabei nicht unterbrochen werfen, sonst stirbt die Rebe. Bis zu fünf solcher 'Kinder' kann jeder Stock bekommen. Mit dieser Methode ersetzt Eric auch abgestorbene Rebstöcke. Nur sie werden ersetzt, ausgerissen wird bei ihm kein noch lebender Rebstock. Ganz gleich wie hoch - oder niedrig - der Ertrag ist. 

Es ist ein ganzes Bündel an Maßnahmen, die Eric von seinen Kollegen unterscheidet. Er ist dafür lange Jahre belächelt worden. Heute lächelt er, wenn er hört, dass bei den Nachbarn die Holzfässer aus den Kellern verschwinden und im Weinberg mehr mit der Rebe und weniger gegen sie gearbeitet wird. 



Das Portfolio der Domaine ist relativ groß. Ein paar Verkostungsnotizen:

La Muse Papilles 2016 Blanc... mineralisch straff und würzig, zarte Spontinote, sehr animierend. Fast eine Spur Schiefer, bleibt lange im Mund. Kommt komplett ohne Frucht aus. Und in rot 2015 … typisch Grenache, dunkel, würzig, pflaumig. Aber da ist ein ungewöhnlicher Trinkfluss, das hat kein Fett, höchstens Muskeln. Wirkt wie das Role Model für viele neuere CdR. 



Côtes du Rhône Serrine 2012: Die Nase sagt Nordrhône, die Syrah kommt durch. Deutliche lila Reflexe. Sehr würzig in der Nase, Garrigues, Thymian. Viel Gerbstoff, sehr feinkörniges Tannin. Wieder dieser überraschende Trinkfluss, das stürmt bei aller Kraft und Komplexität die Gurgel regelrecht hinunter. Hat auch noch nicht sein Ende erreicht, da ist genug von allem um noch zwei - drei Jahre zu warten. 



Vacquerays 'Garrigues' 2014: Noch ein Leichtwein. Oder was soll man sagen bei 13,5° Alkohol? Das ist wie seine Brüder einfach herrlich frisch bei aller Üppigkeit. Diese frische Säure, nie dominant aber immer präsent, bringt Leichtigkeit, Trinkfluss, lässt auch bei 28° Aussentemperatur immer noch Lust auf das nächste Glas entstehen. Da sind ätherische Noten, Minze, weißer Pfeffer, sogar Bergamotte. Sind die ältesten Reben des Betriebs, deshalb auch die mineralische Würze.



Vacqueyras ‚Le Clos' 2014: Schwarzer Pfeffer, Heidelbeere. Ausreichend Säure, immer noch nicht üppig. Dafür präsente Gerbstoffe, wirklich lang im Mund. Bleibt ... er hat mehr Kraft und Würze, ist aber immer noch meilenweit von pappig oder satt machend entfernt. 

Gigondas ‚Terres des Aînes' 2012 … Frische und Trinkfluss wie ein guter CdR Villages - aber soviel mehr Struktur, Würze und aromatische Tiefe. der Mourvedre Anteil ist für die überragende Struktur verantwortlich, oder sind es die zum überwiegenden Teil rund 90-jährigen Rebstöcke? Wird seinen Höhepunkt nicht vor 2020 haben.




Gigondas ‚Confidentiel‘ 2012 … Eine 1,5 Hektar Parzelle innerhalb der Gigondas Lagen. Die reine Delikatesse. Helle Schokolade, Karamell, Samt. Das läuft im Mund herum und streichelt jede Papille einzeln, das ist hundertprozentig Gigondas, und doch so anders. Sicher haben die Domaines Saint Cosme oder Bouissiere auch fantastische Weine und sind in Sachen Komplexität und Struktur ebenbürtig. Aber in Sachen Frische und Trinkfluss ist das hier die Benchmark. Großer Wein. 

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