21.01.18

BALLROOM BLITZ: MEXIKANER IM MUSEUM

Mexikanische Küche war eine ganze Zeit lang 'in'. Wobei es mehr um diese käseverkleisterten Teigsdingens mit Chili ging und weniger um mexikanische Küche. Die kann nämlich auch anders. Leicht und delikat. Aromatisch und frisch. Gibts nicht? Logo, gibts doch. 


Fröhliche Gesellen zieren die Wände. 

Man kennt sich aus. In der deutschen Sprache und in München. Dachte ich. Dann kam eine Einladung ins ‚Blitz‘ und es stellte sich die Frage, ob es nun ‚im‘ Deutschen Museum ist oder ‚am‘ Deutschen Museum. Denn die gängigen Ortungsdienste konnten nicht wirklich helfen, für sie ist das ‚Blitz‘ ein Teil des Deutschen Museums. Was es natürlich nicht ist, auch wenn der Blitz von diesem Faradayschen Käfig sowas wie ein Wahrzeichen oder zumindest Werbesymbol des Museums ist. Und ich schätze mal, auch auf die Namensgebung des Restaurants wird er Einfluss gehabt haben. 

Quinoa Salat vorneweg

Um die Verwirrung jetzt nicht ins Uferlose driften zu lassen - das ‚Blitz‘ ist im Deutschen Museum, an der linken Seite. Da wo die imposante Schiffschraube liegt (Eingang Ludwigsbrücke), fängt das ‚Blitz‘ an. Also direkt hinter der blauen Schraube, zunächst mit Gastgarten, dann mit geschlossenen Räumlichkeiten. Damit wäre die räumliche Verwirrung beendet. Es beginnt die kulinarische Verwirrung. Und die ist ähnlich komplex wie die räumliche. Denn das Blitz ist ein vegetarisches Restaurant. Das ist im Prinzip nichts besonderes mehr, aber das es auch noch ein mexikanisches Restaurant ist verwundert dann doch. Aus unzähligen DMAX-Folgen kulinarischer Weltenbummler weiß ich zuverlässig, daß in Mexiko der schweinischen Fleischeslust gefrönt wird, das grunzende Vierbeiner in allen Variationen, Aggregatzuständen und Garmethoden verzehrt werden. Lustvoll, wie ich noch hinzufügen möchte. Im Leben wäre ich nicht drauf gekommen, Montezumas Enkel auch nur ansatzweise in die Nähe des Vegetarismus zu rücken. Blitz-Chefin Sandra Forster hat mich dann aufgeklärt, sie war vor Ort und hat die Küche als durchaus gemüselastig erlebt. Diese Küche bietet sie jetzt im ‚Blitz‘ an. 

Matsche - Matsche = Guacamole. À la minute.

Auf den ersten Blick wirkt das Angebot preislich ambitioniert. Ganz genau solang, bis die Portionen an den Tisch kommen. Die Fajitas sind am teuersten, werden dafür aber regelrecht zelebriert. Es fängt an mit einem Mörser. In dem wird die Guacamole frisch am Tisch gemacht. So richtig aus der ganzen Avocado und dem ganzen dazugehörigen Sums. Ein echter Aufwand - den man aber schmeckt. So eine frische, aromatische und betörende (!) Guacamole habe ich nie vorher gegessen. Und damit fängt das Fajitas Spektakel erst an. Es kommen, in einem mit weissen Tuch ausgeschlagenen Körbchen, die Tortillas, kleine Tiegel und Schüsselchen mit Bohnenmus, Manchego-Käse, Tomatensalsa, Sour Cream. Sind aber nur die Toppings. 

Kommt auch in die Fajita: Bohnenmus | Chili | Süsskartoffel


Das Hauptgericht, das mit all den Zutaten zur Fajita verpackt werden soll, kommt im Pfännchen an den Tisch. Bohnenpaste, Süßkartoffeln, Chili. Der ganze Spass hätte als Hauptgericht auch locker für zwei gereicht, mit den Vorspeisen wurde es fast ein wenig üppig. Egal. Ist ja nur Gemüse. Das sollte man ruhig vier - fünfmal während des Essens sagen. Denn die Küche schafft es den Gemüsen soviel Geschmack beizubringen, wie man es sonst nur aus fleischlichen Küchen kennt. Da fehlt sowas von gar nix, null, niente. Und dabei ist noch nicht einmal ein Tofu in Sichtweite. Es wird geröstet, geschmort, beherzt gewürzt und soviel Wert auf die Zutaten gelegt, daß Sehnsüchte überhaupt nicht auftauchen. Es schmeckt rundum großartig, keine Ahnung warum ich die Mexikaner zu Carnivoren gemacht habe in meinen Gedanken … 

Wrap it up and fall in love! 

Nur einen Tipp habe ich noch. bei der Bestellung sollte man das Personal zu Rate ziehen. Ich bin kein Kenner der mexikanischen Küche, was man vorweg, was in der Mitte und was danach zu sich nimmt lässt sich aus den begriffen nicht vollkommen erschließen. Und da die Portionen wie angesprochen recht üppig ausfallen, hat man schnell mehr bestellt, als für eine geruhsame Nachtruhe förderlich ist. Also fragen und im Zweifel mit den Tischnachbarn teilen. 

Die Dame tanzt.

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